Informationen für Graduierte

Für Hochschulabsolvent/-innen aus Drittstaaten gelten bezüglich der Arbeitsuche und entsprechenden Aufenthaltsgenehmigungen besondere Regelungen:

 

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Für Arbeitsuchende

Studierende aus Nicht-EU-Ländern können, wenn sie ihr Studium in Deutschland erfolgreich beendet haben, ihre Aufenthaltserlaubnis noch einmal um 18 Monate verlängern (Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Arbeitsplatzsuche, § 16 Abs. 4 AufenthG). Das Studium ist mit Bestehen der letzten Prüfung „erfolgreich beendet“, also nicht erst bei der Exmatrikulation oder bei der Ausgabe des Zeugnisses.

Während dieser 18 Monate haben Hochschulabsolvent/innen Zeit, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihrer Ausbildung angemessen ist. Auch für die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Arbeitsplatzsuche muss nachgewiesen werden, dass der Lebensunterhalt gesichert ist. Im Gegensatz zu Studierenden dürfen arbeitsuchende Absolvent/-innen während der dieser Zeit ohne zeitliche oder branchenspezifische Einschränkung arbeiten und auch beliebig selbstständig tätig sein.

Während oder nach dieser 18-monatigen Frist kann auch eine Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke des Studiums beantragt werden, um die Ausbildung mit einem Masterstudium oder einer Promotion fortzusetzen. Wird die neue Ausbildung vor Ablauf der 18 Monate begonnen, besteht bei einem Abbruch der Ausbildung kein Anrecht auf die übrigen Monate. Bei einem neuen Abschluss (Master oder Promotion) kann erneut eine 18 monatige Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitssuche beantragt werden.

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Bei (sofortigem) Einstieg in ein Beschäftigungsverhältnis

Absolvent/-innen deutscher Hochschulen, die entweder direkt nach Beendigung des Studiums oder während der 18-monatigen Arbeitssuche in das Erwerbsleben einsteigen, haben verschiedene Möglichkeiten:

  • Die Blue Card (§ 19a AufenthG) kann beantragen, wer ein Jahresbruttogehalt von mindestens 46.400€ (in Mangelberufen, z.B. MINT, IT, Ärzte, 36.192€/Jahr) hat.
     
  • Eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Forschung (§ 20 AufenthG) kann beantragen, wer bei einer anerkannten Forschungseinrichtung angestellt ist. Doktoranden sind von dieser Regelung ausgeschlossen, da sie zu den Studierenden gezählt werden und somit eine Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke des Studiums (§ 16 AufenthG) beantragen müssen. Eine Ausnahme bilden Promovierende, die ihre Promotion im Rahmen eines Forschungsprojekts erbringen, für das eine Aufnahmevereinbarung mit einer Forschungseinrichtung abgeschlossen wurde.
     
  • Eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Beschäftigung (§ 18 AufenthG) kann beantragen, wer eine dem Studium angemessene Tätigkeit gefunden hat.
     
  • Eine Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Geduldete zum Zweck der Beschäftigung (§ 18a AufenthG) kann beantragen, wer das Studium im Status der Duldung absolviert und eine dem Studium angemessene Tätigkeit gefunden hat. Darüber hinaus muss nachgewiesen werden, dass ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache sowie genügend Wohnraum vorhanden sind.
  • Eine Aufenthaltserlaubnis zur Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit (§ 21 AufenthG) kann beantragen, wer eine Selbstständigkeit (auch freiberufliche Tätigkeit) aufnehmen will. Diese Tätigkeit muss mit den Qualifikationen aus der Ausbildung in Verbdindung stehen. Auch hier muss nachgewiesen werden, dass der Lebensunterhalt gesichert ist.

Absolvent/-innen deutscher Hochschulen, die mindestens zwei Jahre einen Aufenthaltstitel nach den Paragrafen 18,  18a, 19a oder § 21 besitzen, mindestens zwei Jahre in Deutschland gearbeitet und während dieser Zeit entsprechende Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung oder in eine vergleichbare private Vorsorge gezahlt haben, können eine Niederlassungserlaubnis (§ 18b AufenthG) erhalten.

Nach fünf Jahren kann eine Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU erteilt werden. Diese gilt in Deutschland als Niederlassungserlaubnis, außerdem berechtigt sie zum Arbeiten in anderen EU-Mitgliedstaaten (mit Ausnahme von Großbritannien, Irland und Dänemark). Es besteht die Möglichkeit, den Studienaufenthalt teilweise auf die Fünfjahresfrist anrechnen zu lassen.

Seit dem 1. Juli 2013 wird bei ausländischen Absolvent/-innen deutscher Hochschulen, unabhängig von der Fachrichtung, für die Erteilung eines Aufenthaltstitels zur Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit auf die Zustimmung durch die ZAV (Arbeitsagentur) verzichtet, d. h. es wird keine Vorrangprüfung und keine Prüfung der Beschäftigungsbedingungen durchgeführt – allerdings muss die Tätigkeit dem Studienabschluss angemessen sein.

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Informationen für Absolvent/-innen von Berufsausbildungen  

Absolvent/-innen von Berufsausbildungen können eine Aufenthaltserlaubnis für 12 Monate beantragen, um einen der Ausbildung angemessenen Arbeitsplatz zu suchen. Während dieser Zeit dürfen die Ausbildungsabsolvent/-innen jede Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit ausüben.

Nach einer erfolgreichen Arbeitsplatzsuche wird für die  anschließende Erteilung der Aufenthaltserlaubnis nach § 18 oder 21  für eine dem Abschluss entsprechende Tätigkeit die Gleichwertigkeit der Arbeitsbedingungen geprüft. Eine Vorrangprüfung findet nicht statt.

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Existenzgründung und Selbständigkeit 

Sie studieren in Deutschland oder haben kürzlich Ihr Studium beendet und möchten in Deutschland selbständig tätig sein? Dies ist auch Nicht-EU-Staatsbürger/-innen möglich.

Vielleicht haben Sie bereits eine erste Idee für eine Gründung, die Sie in naher Zukunft realisieren möchten. Dies stellt Sie vor große Herausforderungen und viele Fragen. An welche Ansprechpersonen und an welche Behörden müssen Sie sich vor Ihrer Gründung wenden? Welche Fördermöglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung? Wie wird ein Businessplan erstellt? Zur Klärung dieser und weiterer Fragen finden Sie hier eine kompakte Übersicht wichtigster Informationen für Ihren Weg in die Selbständigkeit in Deutschland.

Diese Informationen richten sich ausschließlich an:

  • Studenten/-innen aus Nicht-EU-Staaten, die in Deutschland studieren und eine Aufenthaltserlaubnis nach § 16 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) besitzen.
     
  • Hochschulabsolventen/-innen aus Nicht-EU-Staaten, die Ihr Studium in Deutschland abgeschlossen haben und eine Aufenthaltserlaubnis nach § 16 Abs. 4 AufenthG besitzen.

Selbstständigkeit - was genau heißt das?

Als selbständige Person sind Sie freiberuflich oder als alleinige/r oder gemeinsame/r Eigentümer/-in eines Unternehmens gewerbsmäßig tätig. Außerdem gelten Sie als selbständig, wenn Sie bei einer Kapitalgesellschaft z. B. geschäftsführende/r Gesellschafter/-in sind. Als selbständige Person sind Sie frei in der Bestimmung Ihrer Arbeitszeit, Arbeitsdauer, Arbeitsart sowie Ihres Arbeitsortes und Sie sind nicht weisungsgebunden, d.h. Sie sind Ihr eigener Chef.

Welche ausländerrechtlichen Voraussetzungen gelten für Sie als Student/-in für die Aufnahme einer Selbständigkeit?

Als Student/-in aus einem Nicht-EU-Staat haben Sie viele Möglichkeiten Ihr Studium zusätzlich zu finanzieren. Eine Möglichkeit ist eine selbständige Tätigkeit, z. B. als Softwareentwickler/-in, Sprachdozent/-in, Dienstleister/-in oder als selbständige/r Promoter/-in. Aufenthaltsrechtlich ist diese Möglichkeit durch eine Änderung der Nebenbestimmung zu ihrem Aufenthaltstitel nach § 21 Abs. 6 AufenthG gegeben. Allerdings muss die Ausländerbehörde Ihre selbständige Tätigkeit gesondert genehmigen. Ihre Arbeit darf vom Umfang her den Erfolg Ihres Studiums nicht gefährden und muss die Anforderungen an eine Selbständigkeit erfüllen. Der Gesetzgeber gibt an dieser Stelle keine zeitlichen Einschränkungen vor. Achten Sie bitte darauf, dass Sie nicht länger als 20 Stunden in der Woche gewerbstätig sind, da Sie sonst den Studentenstatus bei Ihrer Krankenkasse verlieren können. Neben der Erlaubnis der Ausländerbehörde benötigen Sie als selbständige Person eine Gewerbeanmeldung (Gewerbeamt) oder als Freiberufler/-in eine Steuernummer (Finanzamt).

Welche Voraussetzungen gelten für Sie als Hochschulabsolvent/-in aus einem Nicht-EU-Staat für die Aufnahme einer Selbständigkeit?

Wenn Sie Ihr Studium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule oder vergleichbaren Ausbildungseinrichtung in Deutschland erfolgreich abgeschlossen haben oder wenn Sie als Forscher/-in oder Wissenschaftler/-in eine Aufenthaltserlaubnis nach § 18 oder § 20 AufenthG besitzen, kann Ihnen eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbständigen Tätigkeit nach § 21 Abs. 2a AufenthG erteilt werden. Hierfür müssen Sie zwei Voraussetzungen erfüllen:

  1. Ihre beabsichtigte selbständige Tätigkeit muss einen Zusammenhang mit Ihren an der Hochschule erworbenen Kenntnissen aufweisen, die Sie teilweise oder mittelbar brauchen. Hiermit sind Tätigkeiten gemeint, die einen akademischen Abschluss voraussetzen.
     
  2. Ihr Lebensunterhalt muss für Sie und Ihre unterhaltsberechtigten Familienangehörigen gesichert sein. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Ausländerbehörde, da die Lebensunterhaltskosten regional unterschiedlich ausfallen!

Wenn Sie nicht sofort nach Beendigung Ihres Studiums eine Selbständigkeit aufnehmen wollen, können Sie bei der Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis nach § 16 Abs. 4 AufenthG für 18 Monate zur Planung und Umsetzung Ihrer Selbständigkeit beantragen. In diesem Zeitraum dürfen Sie jede Tätigkeit aufnehmen, um Ihren Lebensunterhalt zu sichern. Dasselbe trifft für Forscher/-innen bzw. Wissenschaftler/-innen zu, allerdings mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer von sechs Monaten (§ 18c Abs. 3 AufenthG).

Einen Leitfaden für gründungsinteressierte Akademiker/-innen und Studierende aus Nicht-EU-Staaten finden Sie hier.
Umfangreiche Informationen sind außerdem auwir-gruenden-in-deutschland.de zu finden.