Das Anerkennungsverfahren

Ein wichtiges Instrument der Umsetzung des Gesetzes ist die IQ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Willkommenskultur sowie zur Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe und beruflicher Partizipation von Zugewanderten in Deutschland. Um neue Fachkräfte zu gewinnen, ist es wichtig, dringend gesuchte berufliche Potenziale nicht unbeachtet zu lassen. 

Kontaktaufnahme mit der Beratungseinrichtung

Wenn Sie mit einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation in Deutschland arbeiten möchten, ist es hilfreich, zunächst eine Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung in Anspruch zu nehmen. Solche Erstanlaufstellen können sowohl Jobcenter oder Arbeitsagenturen als auch Bildungsträger, Migrationsberatungsstellen, Migrantenorganisationen oder auch staatliche und kommunale Beratungseinrichtungen sein.

Die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung des IQ Netzwerks Niedersachsen bietet eine ganzheitliche Prozessbegleitung an: Ihr Leistungsspektrum umfasst kostenfreie Angebote zur Erstberatung, zur Begleitung im Anerkennungsverfahren sowie zur weiterführenden Beratung, z.B. im Hinblick auf Qualifizierungsmöglichkeiten oder im Fall einer beruflichen Neuorientierung. Zudem bieten sie Hilfestellung bei der Klärung der Übernahme anfallender Kosten während des Anerkennungsprozesses.

Eine Übersicht der IQ Erstanlaufstellen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in Niedersachsen finden Sie hier.

Die Anerkennungsstelle

Die Aufgabe der Anerkennungsstellen ist die Prüfung und Bewertung der im Ausland erworbenen Abschlüsse auf Gleichwertigkeit. Unter Umständen kann auch die bereits erworbene Berufserfahrung miteinbezogen werden. Es gibt in Deutschland jedoch keine zentrale Stelle für die Anerkennung beruflicher Qualifikationen. Stattdessen hat sich eine Vielzahl von Anerkennungsstellen herausgebildet mit der Folge, dass von Bundesland zu Bundesland oder von Beruf zu Beruf unterschiedliche Stellen für ein Anerkennungsverfahren zuständig sind. Für den Regelungsbereich des Bundes sind in § 8 BQFG die entsprechenden zuständigen Stellen festgelegt.

Grundsätzlich ist die berufsständische Organisation (z.B. Industrie- und Handelskammer bzw. IHK-FOSA, Handwerkskammer, sonstige Berufsverbände) für die Anerkennung zuständig. Eine Übersicht der Berufe, bei denen die Anerkennung in der Zuständigkeit der IHK-FOSA liegt, finden Sie hier (mit Infoblatt für Antragstellerinnen und Antragssteller)

Für Anerkennungssuchende in Niedersachsen haben wir eine Auflistung aller zuständigen Anerkennungsstellen und ggfs. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Sie zusammengestellt:  

Alle für die Anerkennung zuständigen Stellen hat das BiBB im Portal "Anerkennung in Deutschland" zusammengestellt.

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Die Anerkennung akademischer Berufe

Die meisten akademischen Berufe sind nicht reglementiert. Das bedeutet, dass es für sie keine gesetzliche Vorschrift zur Berufsausübung gibt. Daher ist auch kein offizielles Anerkennungsverfahren für diese Berufe erforderlich.

Wenn Sie mit einem ausländischen akademischen Grad einen nicht reglementierten Beruf ausüben möchten, kann eine Bewertung des Abschlusses durch eine Hochschule vorgenommen werden. Ferner ist es Ihre Aufgabe zu prüfen, ob Sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen und Ihren Hochschulgrad/-titel in der zulässigen Form führen. Die gesetzliche Grundlage ist das Hochschulgesetz des jeweiligen Bundeslandes. Mit erfolgreicher Bewertung und Prüfung ist jedoch noch keine Erlaubnis zur Ausübung des Berufs verbunden. Als primärer Ansprechpartner für die Anerkennung im akademischen Bereich dient die ZAB.

Wenn Sie als Akademikerin oder Akademiker einen reglementierten Beruf ausüben möchten, müssen Sie ihren Abschluss im Rahmen des Anerkennungsverfahrens durch die ZAB bewerten lassen. Planen Sie ein weiteres Studium oder die Weiterführung Ihres Studiums, sind die Fakultäten/Fachbereiche der Hochschulen die zuständigen Anlaufstellen.

Für einige Berufe werden berufsspezifische Nachweise verlangt. So benötigen z.B. Ärztinnen und Ärzte eine Bescheinigung über ihre gesundheitliche Eignung sowie eine Bestätigung, dass kein Strafverfahren gegen sie läuft. Auch Deutschkenntnisse spielen in verschiedenen beruflichen Anerkennungsverfahren eine Rolle. Z.B. ist bei Lehrerinnen und Lehrern sehr gutes Deutsch nachzuweisen. Die Sprachniveaus sind europaweit einheitlich im sog. "Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen" festgelegt.

Einzureichende Dokumente

Es werden als Mindestanforderung folgende Dokumente bzw. Nachweise benötigt:

  • Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass)
  • Nachweis des im Ausland erworbenen Ausbildungsabschlusses
  • tabellarische Übersicht über Ausbildungsgänge und evtl. bisherige Erwerbstätigkeiten (auf Deutsch)
  • Nachweise über einschlägige Berufserfahrung
  • sonstige Befähigungsnachweise (z.B. berufliche Weiterbildungen)
  • Erklärung, dass bisher kein Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung nach dem BQFG gestellt wurde
  • Nachweis, dass Antragstellerin bzw. Antragsteller in Deutschland arbeiten möchte (nicht erforderlich für EU-/EWR-/Schweizer Bürgerinnen und Bürger sowie für Personen mit Wohnort in der EU/EWR/Schweiz)

Hinsichtlich der reglementierten Berufe kann das Fachrecht Abweichungen von diesen Anforderungen enthalten.

Grundsätzlich kann die zuständige Stelle Originale oder beglaubigte Kopien der Unterlagen verlangen. Die Versendung von Originalen sollte in jedem Fall unterbleiben, daher kann dies nur verlangt werden, wenn die Antragsstellerin bzw. der Antragsteller diese persönlich vorlegen kann. Einfache Kopien der Unterlagen können daher ausreichen.

Grundsätzlich sollen die Unterlagen ins Deutsche übersetzt vorliegen. Diese Übersetzungen sind von im In- und Ausland öffentlich bestellten und beeidigten Dolmetscherinnen bzw. Dolmetschern oder Übersetzerinnen und Übersetzern anzufertigen. Sollte eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einer zuständigen Stelle die entsprechende Sprache selbst beherrschen, so kann die zuständige Stelle auf Übersetzungen verzichten.

Eine Übersicht öffentlich bestellter und beeidigter Dolmetscherinnen und Dolmetscher finden Sie hier.

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Fehlende Dokumente und Prototyping Transfer - Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen

Das Anerkennungsverfahren ist in starkem Maße von der Vorlage papiergebundener Nachweise abhängig. Es kann allerdings vorkommen, dass aufgrund verschiedenster Gründe (Flucht, Vertreibung, etc.) keine entsprechenden Dokumente mehr vorgelegt werden können. Um in solchen Fällen eine sachgerechte Beurteilung des Antrags vornehmen zu können, können für die Anerkennung im handwerklichen Bereich berufliche Kompetenzen über eine Qualifikationsanalyse festgestellt werden. Die Handwerkskammern sind gem. § 8 Abs. 1 Nr. 2 BQFG die zuständigen Stellen für die Anerkennungen im Handwerksbereich. Sie sind gem. § 14 BQFG, § 50b HandwO befugt, die beruflichen Qualifikationen der Antragstellenden neben der Dokumentenanalyse durch sogenannte „sonstige geeignete Verfahren“ zu analysieren.

Dies können sein:

  • Arbeitsproben
  • Fachgespräche
  • praktische und theoretische Prüfungen 
  • Gutachten von Sachverständigen

Weitere Informationen zu dem Projekt "Prototyping Transfer - Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen" finden Sie auch auf den Seiten von Anerkennung in Deutschland.

Mögliche Ergebnisse des Verfahrens

Das Anerkennungsverfahren kann drei mögliche Ergebnisse erbringen:

Gleichwertigkeitsbescheinigung (Bescheid): Wenn keine wesentlichen Unterschiede zwischen der Auslands- und der Inlandsqualifikation festgestellt werden, wird die Gleichwertigkeit bescheinigt. 

Teilweise Gleichwertigkeit: Es gibt in bestimmten Bereichen Unterschiede zwischen der Auslands- und der Inlandsqualifikation. Durch Nachqualifizierungen/Anpassungsqualifizierungen können diese ggf. ausgeglichen werden.

Ablehnung: Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Auslands- und der Inlandsqualifikation, wird der Antrag abgelehnt. Ob durch Nachqualifizierungen dennoch eine Gleichwertigkeit erreicht werden kann, muss im Einzelfall geprüft werden.

Weitere Informationen finden zu den möglichen Ergebnissen des Anerkennungsverfahrens finden Sie hier.

Ausgleichsmaßnahmen zur Nachqualifizierung

Bestehen laut Bescheid der zuständigen Stelle wesentliche Unterschiede zum deutschen Referenzberuf, können Sie diese durch eine sogenannte Ausgleichsmaßnahme aufholen und somit nachträglich eine volle Gleichwertigkeit Ihres Abschlusses erlangen. Dies kann durch eine schulische Qualifizierungsmaßnahme, einen berufsbezogenen Deutschkurs, ein Praktikum im Betrieb oder auch durch eine Eignungs- oder Kenntnisprüfung geschehen. 

Personen, die ihren Antrag auf Anerkennung aus dem Ausland gestellt haben und eine Ausgleichsmaßnahme im Rahmen des Anerkennungsverfahrens absolvieren möchten, müssen eine Aufenthaltserlaubnis nach § 17a AufenthG beantragen. Der Aufenthaltstitel gilt für einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten und kann nach der Feststellung der Gleichwertigkeit bzw. der Erteilung des Berufszugangs bis zu einem Jahr für die Suche eines entsprechenden Arbeitsplatzes verlängert werden. Darüber hinaus gestattet der Aufenthaltstitel während der Bildungsmaßnahme die Ausübung einer Tätigkeit, die in einem engen berufsfachlichen Zusammenhang mit dem Beruf steht, für den die Berufszulassung bzw. Gleichwertigkeit beantragt wurde, wenn bereits ein Arbeitsplatzangebot für die Zeit nach der Anerkennung vorliegt. 
Die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit ist bei der Teilnahme an einer betrieblichen Bildungsmaßnahme gem. § 17a Abs. 1 AufenthG nötig, unterliegt aber keiner Vorrangprüfung. Weiterhin muss die Bundesagentur für Arbeit im Fall einer beruflichen Tätigkeit während der Bildungsmaßnahme, die in einem engen berufsfachlichen Zusammenhang mit dem Beruf steht, zustimmen. Auch dies geschieht ohne Vorrangprüfung.

Die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatungsstellen des IQ Netzwerks helfen Ihnen gerne dabei, die für Sie richtige Nachqualifizierung zu finden und beraten Sie zu allen Fragen der Qualifizierung.

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Kosten des Verfahrens und Fördermöglichkeiten

Im Laufe des Anerkennungsverfahrens entstehen für die Antragstellenden Kosten, wie z.B. für Übersetzungen, Beglaubigungen oder erforderliche Anpassungsqualifizierungen. Die Höhe dieser Gebühren richtet sich nach den Gebührenregelungen der Länder bzw. Kammern und hängt vom individuellen Aufwand für die Durchführung der Verfahren ab. Grundsätzlich können anfallende Kosten von den Agenturen für Arbeit oder den Jobcentern übernommen werden, denn für die Förderung von Kundinnen und Kunden gelten auch im Bereich der Finanzierung von Kosten des Anerkennungsverfahrens die üblichen gesetzlichen Voraussetzungen nach dem SGB II und dem SGB III. Die Entscheidung, ob gefördert werden kann, hängt immer von den individuellen Voraussetzungen ab und davon, ob die Förderung für die Eingliederung in den Arbeitsmarkt erforderlich ist. Darüber hinaus können Personen mit fehlenden finanziellen Mitteln und insbesondere Beschäftigte, die unterhalb ihrer abgeschlossenen Qualifikation tätig sind, vom Anerkennungszuschuss profitieren. Alle Informationen hierzu finden Sie auf Anerkennung in Deutschland.

Es ist zu beachten, dass in Ausnahmefällen wie z.B. bei Antragstellung aus dem Ausland, die Gebühren von der zuständigen Stelle als Vorschusszahlung verlangt werden können.

Wiederaufgreifen des Verfahrens

Sollte in einem der Verfahren keine Gleichwertigkeit festgestellt worden sein, ist ein erneuter Antrag nach dem BQFG grundsätzlich möglich.

Ändert sich die Sachlage zu Gunsten des Antragstellers, so besteht gem. § 51 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) in Verbindung mit den entsprechenden Landesgesetzen die Möglichkeit des Wiederaufgreifens des Verfahren. Das Wiederaufgreifen des Verfahrens ist dann für den Antragstellenden positiv, wenn die zuvor festgestellten wesentlichen Unterschiede durch Nachqualifizierung ausgeglichen werden konnten oder zusätzliche einschlägige Berufserfahrung gesammelt werden konnte. Die zuständige Stelle hat dann mit angemessen reduzierter Gebühr die Sache erneut zu entscheiden und wird bei Feststellung des erfolgreichen Ausgleichs der vormals festgestellten Defizite einen Gleichwertigkeitsbescheid ausstellen.

Dauer des Anerkennungsverfahrens

Die Entscheidung über die Gleichwertigkeit der beruflichen Qualifikationen muss spätestens drei Monate nach Vorlage aller Unterlagen erfolgen (§6 Abs. 3 Satz 1 BQFG). In schwierigen Fällen kann die Entscheidungsfrist einmalig verlängert werden (§6 Abs. 3 Satz 3 BQFG). Sie ist gehemmt, wenn nicht alle erforderlichen Unterlagen vorliegen oder eine Qualifikationsanalyse durchgeführt wird (§6 Abs. 4 BQFG).

Weitere Informationen

Eine Checkliste für das Anerkennungsverfahren mit den wichtigsten Informationen auf einen Blick wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zusammengestellt.

Weitere Informationen zum Thema Anerkennung finden Sie in der .

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